Alltagsmoralen: Die kulturelle Beeinflussung der fünf Sinne by Robert Hettlage, Alfred Bellebaum

By Robert Hettlage, Alfred Bellebaum

Im Alltag wissen wir über vieles so intestine Bescheid, dass wir im Allgemeinen richtig „funktionieren“ können. Dieses Vorwissen ist aber kein methodisch erarbeitetes und kritisch reflektiertes Wissen über Zusammenhänge oder Gründe und purpose, schon gar nicht über gesellschaftliche Verknüpfungen. Insofern hat der Alltag seine eigene „Logik“, seine eigenen Relevanzen und eigene Handlungszwänge. Zu dieser eigenen Vernünftigkeit gehört auch ein spezifisches Wissen über das, used to be intestine und schlecht, geschuldet und „gesollt“ ist. Solche moralischen Regelungen sind wesentliche Stabilisatoren, um vielfältige, alltägliche Situationen bewältigen zu können. Entsprechend streng ist die gesprächsweise („diskursive“) Verarbeitung der moralischen Selbstverständlichkeiten und die gemeinsame Sanktion in shape von Entrüstung, Verärgerung oder Verachtung bei Übertretung dieses moralischen Kodex. Es ist Aufgabe dieses Bandes den Alltag nach seinen impliziten ethischen Postulaten zu durchforsten. Dabei geht es überwiegend nicht um die theoretische Begründung der Pflichten (d.h. um Ethik), sondern um alltagsweltliches Erleben, Bewusstsein, Erwartungen und praktisches Handeln (d.h.um Moral). Beispielhaft zeigt sich dieser Zusammenhang an den five Sinnen, die alle moralisch bzw. kulturell „imprägniert“ sind.

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Dies umso mehr als die Sinne synästhetisch „vielstimmig“, Alltagsmoralen 33 sich gegenseitig korrigierend oder unterstützend, zusammenwirken. Wer isst, will auch sehen, was er isst. Wer hört und greift, führt gewöhnlich auch das Auge in die Richtung der Greifhandlung und des Gehörten. Man hört, sieht, riecht und fühlt die anderen als Ganzes. Je komplexer die Welt, desto mehr ist man auf das Interdependenzsystem der Sinne und ihre Höherentwicklung angewiesen (Plessner 1970,198). B Die alltagsmoralischen Pflichten der Sinne Wenn es zutrifft, dass die Menschen im allgemeinen von der Bewältigung ihres Alltags in Beschlag genommen werden und wenig Raum für Experimente besitzen, dann gilt das auch für den Einsatz ihrer Sinne.

Nicht selten bleibt aber sich selbst gegenüber 44 Robert Hettlage ein Gefühl der Fremdheit, wenn nicht gar der Erbärmlichkeit bestehen, weil man genau weiss, dass man die gängigen moralischen Standards der Fairness und des Anstands, also die „Pflichten der Zunge“ verletzt hat. Wer sich aber von solchem falschen Vergemeinschaftungs-Druck frei halten will (was heute in der sich stets mit Sensationen überbietenden Zweitmoderne immer schwerer fällt), wählt eher die Strategie des „Weghörens“ mit dem Beziehungszeichen des Beiseitetretens der sinnlichen und intellektuell-reflexiven Aufmerksamkeit.

Dass wir unseren Blick des Wohlgefallens auf den körperlichen Vorzügen unserer weiblichen Gesprächspartnerinnen nicht allzu offensichtlich und lange ruhen lassen, 36 Robert Hettlage gehört heute, – zumal in Zeiten feministisch inspirierter Benimmkontrolle – zu den Regeln des gesitteten Umgangs in öffentlichen Räumen und bei gewöhnlichen privaten Begegnungen. (Nicht geleugnet wird damit natürlich, dass es ganz andere Arten von Begegnung und Privatheit gibt). Historisch gesehen war das nicht immer so.

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